Veränderte Ernährungsgewohnheiten und Esskultur führen zu einer
Schwächung des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft.

Deutschland isst sich einsam: Wie wir nach und nach unsere Esskultur verändern.
In Deutschland ist ein tiefgreifender Wandel des Ernährungsverhaltens zu erkennen, der sich zugespitzt als „Verlust der Esskultur“ beschreiben lässt. Das Nestlé Zukunftsforum analysiert dieses Problemfeld. Es geht darum, zu verstehen, welche Risiken und Chancen die Veränderungen mit sich bringen – und welche Möglichkeiten bestehen, Potenziale zu fördern und Risiken entgegenzuwirken.
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Die Esskultur in Deutschland verdient ihren Namen bald nicht mehr. Familienessen gibt es kaum noch, die Kochkompetenz sinkt dramatisch: in 20 Jahren kann niemand mehr Rouladen selber kochen. Thomas Ellrott |
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Keine Zeit, keine Ahnung: Gemeinsame Mahlzeiten entwickeln sich von der Regel zur Ausnahme. Damit einher geht der Verlust von Esskultur in seiner Funktion als sozialer Kitt, Bildungsplattform und Familienritual. Diese Veränderung wirkt sich auf den emotionalen Zusammenhalt in Familien und sozialen Beziehungen aus und multipliziert sich mit weiteren ernährungs- und gesellschaftsrelevanten Aspekten.
Die möglichen Folgen sind:
- Soziale, emotionale und gesundheitliche Defizite. Wird Ernährung lediglich mit „satt werden“ in Zusammenhang gebracht, ist es nur noch ein kurzer Weg zu gesundheitlichen und emotional-psychologischen Ernährungsdefiziten. Nicht nur unausgewogenes, auch einsames Essen kann auf Dauer krank machen.
- Verlust der Kochkompetenz. Wenn kaum noch selbst gekocht wird und es immer weniger Anlässe gibt, sich mit der Zubereitung von Lebensmitteln zu befassen, ist absehbar, dass die Kochkultur in Deutschland aus dem Alltag verschwindet. Kochen kann so noch stärker zu einem sozialen Event werden, wie es zahlreiche TV-Formate bereits „vorleben“.
- Ernährungskompetenzen ade. Das Wissen über Lebensmittel und ausgewogene Ernährung ist rückläufig. Doch wie sollen sich zukünftige Generationen gesund und ausgewogen ernähren, wenn sie keine Antworten auf gängige Fragen liefern können wie z.B.: Wie schmecken frische Erdbeeren? Oder: Wie richtet man einen Salat an?
- Generationenübergreifende Multiplikation. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, den zukünftigen Generationen, werden sich heutige Defizite der gelebten Esskultur, des Ernährungsverhaltens und der Gesundheit noch stärker ausprägen. Defizite, die heute schon sichtbare Auswirkungen des gesellschaftlichen Strukturwandels und des veränderten Ernährungsverhalten sind.
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Die Esskultur ist der Schlüssel zum Verständnis von Ernährungsgewohnheiten. Hier kann man Rahmenbedingungen verändern, die die Chance haben, das Ernährungsverhalten zu ändern. Gunther Hirschfelder |
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Allein die möglichen Folgen zu antizipieren, ist jedoch zu kurz gedacht. Auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen wir solide Ableitungen für ein verantwortliches Handeln treffen. In einigen Entwicklungen stecken Potenziale, die es zu fördern gilt. Anderen Entwicklungen sollte auf Basis der heutigen Erkenntnis dringend Einhalt geboten werden.
Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zum Problemfeld „Esskultur“ wird das Nestlé Zukunftsforum am 6. September 2010 auf einem öffentlichen Symposium präsentieren und diskutieren.


