Grundannahme 2011

„Consumer Confusion“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Deutschland  isst sich einsam: Wie wir nach und nach unsere Esskultur verändern.  Consumer Confusion ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Deutschland isst sich einsam: Wie wir nach und nach unsere Esskultur verändern.

Es gibt zu viel Information und zu wenig Wissen rund um Ernährung. Meinungen stehen inflationär zur Verfügung – begründete Urteile dagegen weitaus seltener. Woran liegt das?
Der Wunsch nach Transparenz und Aufklärung ist gerade beim Thema Ernährung besonders groß. Aber welcher Nicht-Fachmann kann dieses geballte Wissen in seinem Alltag verarbeiten? Wer überschaut es, wenn es jeden Tag neue Produkte und neue Erkenntnisse gibt? Niemand. Das belegt das Factbook, das vom Nestlé Zukunftsforum in Auftrag gegeben und von Infratest erarbeitet wurde.

Alle Branchen wollen „mündige Verbraucher“: Krankenkassen, Stromanbieter, Lebensmittelwirtschaft, Telefonanbieter. In der Summe ist dieses geforderte, vielfältige Expertentum Überforderung pur.

Renate Schmidt

Renate  Schmidt, Vorsitzende des Beirats des Nestlé Zukunftsforums (NZF) mit  Jens Krüger und Thomas Ellrott auf der Beiratssitzung.

Die wesentliche Aussage des Factbooks: Unabhängig von Bildung und Einkommen – jeder von uns steckt in einer Spirale der Wissensverunsicherung. Die Verbraucher sind schlichtweg überfordert. Das liegt zum großen Teil an widersprüchlichen Absenderinformationen, neuen Produktvarianten, mehr oder weniger brauchbaren Produktinformationen und Siegeln, Werbebotschaften und Medienberichten. Welche der zahlreichen Informationen sind wirklich glaubhaft und relevant?
Eine Flut ungefilterter, unstrukturierter nicht gewichteter Informationen strömt über verschiedenste Kanäle. Folge ist die sogenannte „Consumer Confusion“, mit der ein spürbarer Vertrauensverlust in Produkte und Produzenten einhergeht. Dem Verbraucher fällt es folglich immer schwerer, reflektierte Entscheidungen zu treffen – Tendenz steigend. Die Frage, was gesunde Ernährung eigentlich ist, wird somit immer mehr zur Glaubensfrage.

 

Das Informationsverhalten von Verbrauchern wird immer situativer und oberflächlicher. Gleichzeitig erhöht sich das Bedürfnis, in die Tiefe zu gehen. Wenn der Verbraucher sich für eine Frage interessiert, dann will er dazu auch wirklich viel wissen. Diese Informationen müssen geprägt sein von Qualität und maximaler Transparenz. Flow Control ist eine Strategie zur Komplexitätsreduktion und basiert auf der Idee: Wir müssen wegkommen vom „Schutz des Verbrauchers“ in Richtung „Vertrauensaufbau durch abrufbare Information“.

Peter Wippermann

Peter Wippermann und Johann Lafer auf der Beiratssitzung des Nestlé Zukunftsforum (NZF).

Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft oder Medien könnten nun fragen: Ist weniger Wissen also mehr? Natürlich nicht. Aber besseres Wissen ist mehr wert. Je diffuser und komplexer die Masse an Informationen wird, die verbreitet wird, desto mehr versperrt sie die Sicht auf Zusammenhänge, statt sie zu erleichtern. Der Verbraucher, egal wie sehr er sich bemüht, hat dann keine Chance, wirklich mündig zu sein.

Nicht die Quantität, sondern die Qualität an Information zählt, der Blick auf die wirklich entscheidenden Fakten. Doch wer bestimmt, welches Wissen das richtige ist? Wer sagt, welche Information wichtig ist? Ist es die Wissenschaft, die Politik oder die Medien? Verbraucherschützer oder Unternehmen?

 

Gerhard Berssenbrügge, Mitglied im Beirat des Nestlé Zukunftsforums (NZF), auf der Beiratssitzung.

Bewusste und ausgewogene Ernährung wird immer schwieriger, fast wie ein Glücksspiel. Zu viele und zu widersprüchliche Informationen verwirren zunehmend Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir müssen gemeinsam Konzepte entwerfen, wie Staat, Wirtschaft, NGOs, Wissenschaft und Medien für mehr Transparenz und Orientierung sorgen können.

Gerhard Berssenbrügge

Um die Consumer Confusion nachhaltig zu reduzieren, müssen neue Bewältigungsstrategien entwickelt werden – von den Verbrauchern, aber genauso von den verantwortlichen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Gesellschaft. Sie verursachen die Consumer Confusion, können sie aber auch gestalten. Es bedarf Strategien, die dabei helfen, den Strom an Information zu filtern und einzuordnen – und es bedarf einer Debatte über Qualität von Information. Wir vom Nestlé Zukunftsforum laden dazu ein, die Ernährung der Zukunft weiterzudenken und besserzumachen.

 



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