
Das Nestlé Zukunftsforum wurde im Frühjahr 2010 ins Leben gerufen. In seiner konstituierenden Sitzung in Frankfurt identifizierte der Beirat des Nestlé Zukunftsforums drei Leitthemen:
Thema 1: Soziale Funktion von Ernährung
Thema 2: Ernährung und Consumer Confusion
Thema 3: Nachhaltigkeit und Ernährung
Grundannahme des ersten Themas: Veränderte Ernährungsgewohnheiten und Esskultur führen zu einer Schwächung des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft.
Der Hintergrund: Es gibt immer mehr Single-Haushalte und durch eine zunehmende Entstrukturierung des Alltags immer weniger Zeit fürs Essen. Immer weniger Menschen kochen noch selber. Damit erlernen auch immer weniger Kinder, Jugendliche und auch Männer die Kulturtechnik „Kochen“. Austausch und emotionale Bindung durch das gemeinsame Essen an einem Tisch nehmen in der Folge ab. Deutschland verliert Esskultur!
Der Beirat erarbeitete 2010 zu dieser ersten Grundannahme ein Positionspapier mit "Handlungsempfehlungen für eine neue soziale Esskultur".
Am 6. September 2010 fand das erste NZF-Symposium statt. Die Frage des Abends lautete: Bricht unsere Gesellschaft am Esstisch auseinander? Gerhard Berssenbrügge, Johann Lafer, Renate Schmidt und Prof. Dr. Peter Wippermann aus dem NZF-Beirat diskutierten darüber gemeinsam mit Christoph Amend, Redaktionsleiter des ZEITmagazins; Ulrike Höfken, Bündnis 90/Die Grünen, MdB und Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Peter Möllenberg, Vorsitzender des Hauptvorstands der Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali moderierte die Debatte. In der voll besetzten Kalkscheune mit rund 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien wurde bei leckerem Essen und gutem Wein noch lange in den Abend hinein diskutiert.
In einem abschließendem Dossier mit dem Titel „Einsam mampfen oder gemeinsam speisen? Ein Plädoyer des Nestlé Zukunftsforum für eine neue, soziale Kultur der Ernährung“ sind die Ergebnisse der Arbeit des NZF-Beirates 2010 und Impressionen des NZF-Symposiums zusammengefasst.
2011 beschäftigt sich der Beirat nun mit dem zweiten Thema.
Grundannahme des zweiten Themas: "Der überforderte Verbraucher" – Die Menschen kapitulieren vor der Komplexität und Vielfalt der Herausforderungen und Angebote.
Der Hintergrund: Es gibt eine sinnvolle Entscheidung: Nämlich die, sich ausgewogen zu ernähren. Allein an der Umsetzung hakt es. Dass es ein wachsendes Angebot an Informationsquellen zu den Themen Essen, Kochen und Ernährungsverhalten gibt, steht außer Frage. Fragwürdig ist jedoch das Maß an Orientierung, das diese Fülle an Informationen wirklich bietet: Welches ist die richtige Diät, welches das richtige Produkt, welches die richtige Zubereitungsform? Die Antworten variieren, je nachdem, an wen die Fragen gerichtet werden. Die Fähigkeit, das eigene Leben vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Komplexität zu managen, nimmt ab. „Consumer Confusion“ mit zunehmender Tendenz. Viele sehnen sich nach einem „slow down“ und einer Besinnung auf das Wesentliche. Deutschland braucht eine Pause!
Konsumenten benötigen mehr Unterstützung. Man kann beobachten, dass immer mehr Menschen ihre Verantwortung an Unternehmen abgeben. Umso wichtiger wird deshalb die Haltung der Unternehmen, wie diese auf die neue Verantwortung reagieren und auf Konsumenten eingehen.
Peter Wippermann

Der NZF-Beirat erarbeitete auf seiner Beiratssitzung dazu eine Prognose: „Verbraucherinnen und Verbraucher werden heute mit einer wachsenden Flut teils widersprüchlicher Informationen konfrontiert, die es immer schwieriger macht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Damit sich dies nicht weiter negativ auf das Ernährungsverhalten auswirkt, bedarf es Lösungen, die Wissensverunsicherung zu mindern.“
Zugespitzt lautet die Frage, wie der Weg „vom überforderten zum mündigen Verbraucher“ möglich wird – und wer dafür Verantwortung trägt. Diese Frage wird 2011 in sehr unterschiedlichen „Öffentlichkeiten“ diskutiert: In Fachcommunitys der Wissenschaft, von Politikern und Studierenden, Verantwortlichen der Lebensmittelbranche, Marketingexperten und vielen mehr. Auch diese Webseite bietet verschiedene Möglichkeiten für Interessierte, sich zu beteiligen und mitzudiskutieren.
Die Ergebnisse dieser vielseitigen, interdisziplinären Debatten werden gebündelt auf dem nächsten NZF-Symposium (voraussichtlich Februar 2012) vorgestellt werden.
Grundannahme des dritten Themas: Das gegenwärtige Ernährungs- und Kosumverhalten bedroht Umwelt, Klima und Ressourcen (geplant für 2012).
Der Hintergrund: Die Blaubeeren kommen im Winter aus Chile, die Rosen aus Gewächshäusern mit Kunstlicht – was bedeutet das für die Umweltbilanz? Ein konkretes Beispiel liefert der Fleischkonsum: Bis es auf den Teller kommt verschlingt ein einzelnes Kilogramm Rindfleisch durchschnittlich 16.000 Liter Wasser. Die Umweltkosten des Genusses können hoch sein: Böden versauern durch Überdüngung, Preise für Rohstoffe steigen durch Verknappung weiter, Abfallberge wachsen. Deutschland isst die Umwelt auf!
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Die Konkurrenz um Ressourcen wird gegenwärtig schärfer, denn ihre Verfügbarkeit ist begrenzt. Es geht um Boden, um Wasser, um Dünger und natürlich um Energie. Das alles brauchen wir entlang der gesamten Produktions- und Wertschöpfungskette von Lebensmitteln, und deshalb können wir uns eine geringe Wertschätzung von Lebensmitteln eigentlich gar nicht leisten. Liselotte Schebek |
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Die Konkurrenz um Ressourcen wird gegenwärtig schärfer, denn ihre Verfügbarkeit ist begrenzt. Es geht um Boden, um Wasser, um Dünger und natürlich um Energie. Das alles brauchen wir entlang der gesamten Produktions- und Wertschöpfungskette von Lebensmitteln, und deshalb können wir uns eine geringe Wertschätzung von Lebensmitteln eigentlich gar nicht leisten. Liselotte Schebek |
Grundannahme 3: „Der überforderte Verbraucher“ – Die Menschen kapitulieren vor der Komplexität und Vielfalt der Herausforderungen und Angebote.
Der Hintergrund: Es gibt eine sinnvolle Entscheidung: Nämlich die, sich ausgewogen zu ernähren. Allein an der Umsetzung hakt es. Dass es ein wachsendes Angebot an Informationsquellen zu den Themen Essen, Kochen und Ernährungsverhalten gibt, steht außer Frage. Fragwürdig ist jedoch das Maß an Orientierung, das diese Fülle an Informationen wirklich bietet: Welches ist die richtige Diät, welches das richtige Produkt, welches die richtige Zubereitungsform? Die Antworten variieren, je nachdem, an wen die Fragen gerichtet werden. Die Fähigkeit, das eigene Leben vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Komplexität zu managen, nimmt ab. Viele sehnen sich nach einem „slow down“ und einer Besinnung auf das Wesentliche. Deutschland braucht eine Pause!

